Ein Vertriebsteam kennt die Rabattregeln – und unterschätzt trotzdem, wie stark ein Preisnachlass den Deckungsbeitrag verändert. Genau an solchen Stellen kann digitale Weiterbildung mehr leisten: Beschäftigte verändern eine Größe, sehen die Konsequenzen und begründen ihre Entscheidung. Eigene Web-Objekte in Adobe Captivate 13.x schaffen dafür einen praktischen Zugang.
Dieser Beitrag zeigt, wie Sie eine kleine HTML-Anwendung in einen Captivate-Kurs integrieren und daraus eine sinnvolle Lernsequenz für Ihr Unternehmen entwickeln. Das konkrete Beispiel ist ein Rabattrechner für die Vertriebsqualifizierung. Dazu gehören eine vollständige Codevorlage, die Einbindung in Captivate und die Frage, welche Lernergebnisse später tatsächlich im Learning Management System (LMS) ankommen.
Einordnung: Die Anleitung bezieht sich auf die neue Captivate-Produktfamilie 13.x. Adobe führt inzwischen auch Captivate 13.2; ältere Anleitungen für Captivate Classic verwenden andere Bedienwege. Die hier beschriebene Einbindung stützt sich auf die aktuelle Adobe-Hilfe. Das Rechenbeispiel ist ein eigens entwickeltes, fiktives Lernmodell. Stand: 5. Oktober 2026.
Warum eigene Web-Objekte für die Qualifizierung interessant sind
In der betrieblichen Weiterbildung zählt, ob Mitarbeitende eine Aufgabe anschließend besser bewältigen. Eine zusätzliche Animation ist dafür selten ein ausreichender Grund für Entwicklungsaufwand. Ein Web-Objekt lohnt sich, wenn es eine fachliche Handlung ermöglicht, die im Kurs sonst nur beschrieben würde: einen Preis kalkulieren, einen Prozessfall durchspielen oder die Auswirkungen einer Entscheidung vergleichen.
Technisch bleibt die kleine Anwendung eigenständig. HTML strukturiert die Inhalte, CSS gestaltet die Oberfläche und JavaScript berechnet Ergebnisse oder steuert Rückmeldungen. Captivate liefert den Lernkontext: Ausgangssituation, Arbeitsauftrag, Reflexion und anschließende Prüfung. Diese Aufteilung macht das Objekt beispielsweise auch für einen Workshop oder ein internes Wissensportal nutzbar.
Für Learning & Development bedeutet das eine zusätzliche Gestaltungsoption. Fachbereiche können ihre Modelle und Entscheidungsregeln einbringen; das Autorenteam übersetzt sie in eine verständliche Lernhandlung. Wie Sie solche Lernangebote insgesamt aufbauen, erläutern wir auf unserer Seite zu Adobe Captivate für E-Learning.
Prüfen Sie trotzdem zuerst die vorhandenen Captivate-Bausteine. Für eine einfache Wissensfrage oder eine überschaubare Auswahlinteraktion ist eine native Umsetzung häufig wirtschaftlicher. Eine eigene Web-Anwendung bringt zusätzlichen Aufwand für Entwicklung, Hosting, Pflege und Tests mit. Ihr Mehrwert sollte sich an einer konkreten Lernaufgabe zeigen.
Welche Einbindung Captivate 13.x unterstützt
Adobe dokumentiert für Web-Objekte drei Quellen: eine URL, Einbettungscode und eine lokal ausgewählte PDF. Für unser eigenes HTML-Beispiel verwenden wir eine auf einem Webserver bereitgestellte Seite und tragen deren HTTPS-Adresse ein. Ein lokaler ZIP-Import der HTML-Anwendung wird für diesen Weg nicht vorausgesetzt. Quelle: Adobe-Hilfe zu Web-Objekten.
Die Konsequenz für den Betrieb: Der Kurs lädt den Rechner beim Aufruf von dessen Hosting-Adresse. Diese externe Anwendung wird durch die Verlinkung nicht automatisch Teil eines unabhängig nutzbaren Offline-Pakets. Kurs und Rechner benötigen deshalb eine abgestimmte Freigabe und eine verlässliche Erreichbarkeit. Ein funktionierender Link auf dem Rechner des Autors allein genügt nicht.
Das Praxisbeispiel: Rabattentscheidungen im Vertrieb verstehen
Ein fiktiver B2B-Anbieter möchte sein Vertriebsteam dafür sensibilisieren, wie Rabatte auf den Deckungsbeitrag wirken. Im Lernfall beträgt der Netto-Listenpreis 1.000 Euro je Stück, die variablen Kosten liegen bei 700 Euro. Ohne Rabatt bleiben 300 Euro Stückdeckungsbeitrag. Die Beschäftigten untersuchen, was sich bei 10 und 15 Prozent Rabatt verändert.
Das Lernziel: Nach der Übung können Teilnehmende Preisnachlässe rechnerisch einordnen, den erforderlichen Mehrabsatz erklären und eine Rabattentscheidung anhand der geltenden Freigaberegeln begründen. Das Lernziel geht damit über das Bedienen eines Rechners hinaus.
| Rabatt | Nettopreis | Deckungsbeitrag je Stück | Nötiger Mehrabsatz* |
|---|---|---|---|
| 0 % | 1.000 € | 300 € | 0 % |
| 10 % | 900 € | 200 € | 50 % |
| 15 % | 850 € | 150 € | 100 % |
Der überraschende Zusammenhang steckt in der zweiten Zeile: 10 Prozent weniger Verkaufspreis bedeuten hier 33,3 Prozent weniger Stückdeckungsbeitrag. Um insgesamt wieder denselben Deckungsbeitrag zu erzielen, müssten statt 100 nun 150 Stück verkauft werden. Bei 15 Prozent Rabatt wären es 200 Stück. Diese Zahlen dienen der Qualifizierung; sie bilden keine vollständige Preisstrategie ab.
Das Modell lässt etwa Kapazitätsgrenzen, veränderte Einkaufskonditionen, zusätzliche Vertriebskosten und Wettbewerbseffekte außen vor. Außerdem ist Deckungsbeitrag nicht mit Gewinn gleichzusetzen: Aus ihm müssen noch fixe Kosten gedeckt werden. Gerade diese Grenzen gehören in die Reflexion. Lernende sollen erkennen, welche Aussage das Modell erlaubt und welche Informationen eine reale Entscheidung zusätzlich benötigt.
Schritt 1: Das Web-Objekt als eigenständige HTML-Datei erstellen
Für das Beispiel reicht eine Datei mit dem Namen index.html. Sie enthält Oberfläche, Gestaltung und Berechnung. Externe Bibliotheken sind nicht erforderlich. Die Datei verwendet fiktive Werte, speichert keine Eingaben und sendet aus ihrem JavaScript keine Daten an ein anderes System. Beim Abruf der gehosteten Seite können allerdings die üblichen Serverprotokolle entstehen.
Beispielrechner im Browser ausprobieren oder HTML-Vorlage als ZIP herunterladen. Entpacken Sie das Archiv und öffnen Sie die enthaltene index.html. Das ZIP ist ein Quellcode-Download, kein SCORM-Paket. Für eine dauerhafte Einbindung stellen Sie die Datei auf Ihrem eigenen freigegebenen Webserver bereit.
Der vollständige Quellcode lässt sich hier aufklappen. Speichern Sie ihn mit UTF-8-Zeichenkodierung. Die Berechnung erfolgt bewusst erst nach Betätigung von „Berechnen“, damit Änderungen am Eingabefeld nicht fortlaufend Sprachausgaben auslösen.
Vollständigen HTML-Quellcode anzeigen
<!doctype html>
<html lang="de">
<head>
<meta charset="utf-8">
<meta name="viewport" content="width=device-width, initial-scale=1">
<title>Rabatte verstehen – Lernmodell für den Vertrieb</title>
<style>
* { box-sizing: border-box; }
body { margin: 0; padding: 20px; font: 1rem/1.6 system-ui, sans-serif;
color: #142c40; background: #f3f6f8; }
main { max-width: 640px; margin: auto; }
h1 { font-size: 1.65rem; line-height: 1.2; }
label { display: block; font-weight: 700; }
input { display: block; width: 100%; max-width: 15rem; margin: 8px 0 16px;
padding: 12px; font: inherit; border: 1px solid #536778; border-radius: 6px; }
button { padding: 12px 18px; margin: 0 8px 8px 0; font: inherit;
background: #143e59; color: white; border: 0; border-radius: 6px; cursor: pointer; }
:focus-visible { outline: 3px solid #b34c00; outline-offset: 3px; }
#ergebnis { padding: 18px; background: white; border-left: 4px solid #143e59; }
.hinweis { font-size: .9rem; }
</style>
</head>
<body>
<main>
<p class="hinweis">Fiktives Lernmodell · Version 1.0</p>
<h1>Was kostet ein Rabatt?</h1>
<p>Listenpreis: 1.000 € netto. Variable Kosten: 700 € je Stück.
Berechnen Sie den Deckungsbeitrag bei 0, 10 und 15 % Rabatt.</p>
<form id="rechner">
<label for="rabatt">Rabatt in Prozent (0 bis 30)</label>
<input id="rabatt" name="rabatt" type="number" min="0" max="30"
step="0.5" value="0" required aria-describedby="aufgabe">
<p id="aufgabe">Erklärungsziel: Warum sinkt der Deckungsbeitrag stärker
als der Verkaufspreis?</p>
<button type="submit">Berechnen</button>
<button type="reset">Zurücksetzen</button>
</form>
<div id="ergebnis" role="status" aria-live="polite" aria-atomic="true"></div>
<p class="hinweis">Vereinfachung: konstante variable Stückkosten, keine
Mengenrabatte oder Kapazitätsgrenzen. Der Deckungsbeitrag ist kein Gewinn.
Die Eingaben werden durch dieses Beispiel weder gespeichert noch versendet.</p>
<noscript><p>Für den Rechner wird JavaScript benötigt. Referenz: Bei 10 %
Rabatt bleiben 200 € Deckungsbeitrag; bei 15 % bleiben 150 €.</p></noscript>
</main>
<script>
const form = document.querySelector('#rechner');
const input = document.querySelector('#rabatt');
const result = document.querySelector('#ergebnis');
const euro = new Intl.NumberFormat('de-DE', { style: 'currency', currency: 'EUR' });
const percent = new Intl.NumberFormat('de-DE', { maximumFractionDigits: 1 });
function calculate(discount) {
const price = 1000 * (1 - discount / 100);
const contribution = price - 700;
const decline = (300 - contribution) / 300 * 100;
const extra = contribution > 0 ? (300 / contribution - 1) * 100 : null;
return { price, contribution, decline, extra };
}
function show(discount) {
const v = calculate(discount);
result.textContent = 'Verkaufspreis: ' + euro.format(v.price) +
'. Deckungsbeitrag je Stück: ' + euro.format(v.contribution) +
'. Rückgang gegenüber 0 % Rabatt: ' + percent.format(v.decline) + ' %. ' +
(v.extra === null
? 'Bei 0 € Stückdeckungsbeitrag ist ein Ausgleich durch Mehrabsatz in diesem Modell nicht möglich.'
: 'Nötiger Mehrabsatz für denselben Gesamtdeckungsbeitrag: ' + percent.format(v.extra) + ' %.');
}
form.addEventListener('submit', function (event) {
event.preventDefault();
if (!form.reportValidity()) return;
const discount = input.valueAsNumber;
if (!Number.isFinite(discount) || discount < 0 || discount > 30) return;
show(discount);
});
form.addEventListener('reset', function () { show(0); });
show(0);
</script>
</body>
</html>
Drei Berechnungen tragen das Beispiel: Nettopreis = Listenpreis × (1 − Rabatt / 100); Stückdeckungsbeitrag = Nettopreis − variable Stückkosten; erforderlicher Mehrabsatz = (ursprünglicher Stückdeckungsbeitrag / neuer Stückdeckungsbeitrag − 1) × 100. Bei 30 Prozent Rabatt beträgt der neue Deckungsbeitrag null. Diesen Grenzfall behandelt der Code gesondert, weil dann kein Mehrabsatz den ursprünglichen Gesamtdeckungsbeitrag wiederherstellen kann.
Für Ihr Unternehmen ersetzen Sie Zahlen, Begriffe und Aufgabenstellung durch fachlich freigegebene Beispiele. Starten Sie mit abstrahierten Trainingsdaten. Vertrauliche Kalkulationsgrundlagen gehören nicht in öffentlich erreichbaren HTML- oder JavaScript-Code: Die an den Browser ausgelieferten Werte sind für Nutzende einsehbar.
Schritt 2: Bereitstellen und in Captivate einfügen
Legen Sie auf einem geeigneten HTTPS-Webserver einen versionierten Ordner an, zum Beispiel /lernobjekte/rabattrechner/v1/, und laden Sie die Datei hinein. Die nachfolgende Adresse ist ein Platzhalter, den Sie durch die tatsächliche Adresse Ihrer Organisation ersetzen: https://lernen.example.org/lernobjekte/rabattrechner/v1/index.html. Öffnen Sie diese Adresse zunächst direkt im Browser eines typischen Arbeitsplatzrechners.
- Öffnen Sie die gewünschte Folie und wählen Sie links Add media blocks, anschließend Web Object.
- Markieren Sie den Web-Objekt-Platzhalter. Wählen Sie im Bereich Content die Quelle URL und tragen Sie die vollständige HTTPS-Adresse ein.
- Passen Sie Breite und Abstände über die visuellen Eigenschaften an. Nutzen Sie bei Bedarf die angebotenen Text- und Button-Komponenten für den Arbeitsauftrag.
- Starten Sie die Vorschau und prüfen Sie die Darstellung in den vorgesehenen Geräteansichten.
Die englischen Bezeichnungen dienen der eindeutigen Zuordnung zur Adobe-Anleitung; lokalisierte Oberflächen können anders beschriftet sein. Alternativ steht dort Embed code zur Verfügung. Für unser Beispiel genügt die URL-Variante.
Planen Sie genügend Höhe für Eingabefeld, Rückmeldung und Hinweise ein. Responsives CSS passt die innere Anwendung an ihre verfügbare Breite an; es garantiert keine automatisch passende Höhe des äußeren Containers. Prüfen Sie insbesondere längere Rückmeldungen und vergrößerte Schrift. Die Aufgabe darf nicht an abgeschnittenen Bedienelementen scheitern.
Schritt 3: Aus dem Rechner eine Lernsequenz machen
Eine frei zugängliche Berechnung erzeugt noch keinen verlässlichen Lerntransfer. Für das Vertriebstraining bietet sich eine Sequenz aus fünf kurzen Teilen an. Dabei erhält jede Interaktion eine erkennbare Aufgabe.
- Situation: Ein Bestandskunde verlangt 10 Prozent Rabatt. Das Vertriebsteam soll eine begründete Antwort vorbereiten.
- Vermutung: Die Lernenden schätzen zunächst ohne Rechner, wie sich der Deckungsbeitrag verändert.
- Erkundung: Sie vergleichen 0, 10 und 15 Prozent Rabatt und notieren den erforderlichen Mehrabsatz.
- Entscheidung: Sie wählen eine Handlung: Rabatt innerhalb der eigenen Befugnis anbieten, eine Freigabe einholen oder eine alternative Gegenleistung verhandeln. Die gültigen Regeln liefert das Unternehmen.
- Transfer: Ein zweiter Fall verändert die Ausgangslage. Die Lernenden begründen, welche zusätzlichen Informationen sie vor einer Zusage benötigen.
Entscheidend ist die Qualität der Rückmeldung. „Falsch“ erklärt wenig. Besser ist beispielsweise: „Der Preis sinkt um 100 Euro, die variablen Stückkosten bleiben gleich. Deshalb vermindert sich der bisherige Deckungsbeitrag von 300 Euro um ein Drittel.“ Die konkrete Freigabeentscheidung lässt sich anschließend mit den internen Regeln verbinden.
Das Vorgehen lässt sich auf andere Fachbereiche übertragen: Servicebeschäftigte können Eskalationsentscheidungen üben, Einkaufsteams Kostenbestandteile vergleichen, Führungskräfte Personalbedarfe unter vereinfachten Annahmen durchspielen. Die Anwendung sollte jeweils nur so komplex sein, wie es das Lernziel erfordert. Wenn Ihr Autorenteam solche Sequenzen selbst entwickeln soll, finden Sie im Adobe-Captivate-Training von neomesh einen passenden Einstieg in Konzeption und Umsetzung.
Schritt 4: Lernerfolg im LMS gezielt nachweisen
Ein eingebetteter Rechner ist nicht automatisch eine bewertete Captivate-Interaktion. Unser Beispiel aktualisiert nur die eigene Anzeige. Es schreibt weder einen Captivate-Quizwert noch einen LMS-Abschlussstatus. Auch das erneute Öffnen der Anwendung beginnt wieder beim Ausgangswert. Das ist eine bewusste Eigenschaft dieser einfachen Vorlage.
Für einen ersten produktiven Einsatz empfehlen wir, das Web-Objekt als Übungsraum zu verwenden und anschließend eine bewertete Frage direkt in Captivate zu stellen. Beispiel: „Welcher Mehrabsatz ist bei 10 Prozent Rabatt nötig, um denselben Gesamtdeckungsbeitrag zu erzielen?“ Die richtige Antwort lautet unter den Modellannahmen 50 Prozent. Eine weitere Frage kann die Begründung oder den nächsten Freigabeschritt prüfen.
Aktivieren Sie dafür unter Preferences → Quizzing → Reporting die Berichterstattung und wählen Sie den mit Ihrem LMS abgestimmten Standard, etwa SCORM 1.2 oder SCORM 2004. Legen Sie fest, ob der Abschluss an das Bestehen des Quiz gebunden sein soll. Veröffentlichen Sie das Lernpaket und testen Sie es im Ziel-LMS. Adobe beschreibt diese Einstellungen in der Dokumentation zur Veröffentlichung und LMS-Berichterstattung.
Sollen Eingaben aus dem Web-Objekt selbst weiterverarbeitet werden, braucht es eine zusätzlich entwickelte Schnittstelle. window.postMessage() kann Nachrichten zwischen eingebetteter Anwendung und umgebendem Fenster übertragen. Es ist aber noch keine fertige Captivate- oder SCORM-Anbindung. Empfänger, Nachrichtenformat, Identitätsbezug, Fehlerbehandlung und Übertragung in das Reporting müssen ausdrücklich implementiert und mit der eingesetzten Captivate-Version geprüft werden. Herkunft und Absender sind zu validieren; als Ziel ist eine konkrete Origin anzugeben. Siehe MDN zu postMessage().
Für die Personalentwicklung folgt daraus eine klare Trennung: Das LMS kann einen definierten Wissenstest dokumentieren. Ob Beschäftigte im Kundengespräch bessere Entscheidungen treffen, braucht zusätzlich eine Transferaufgabe, eine Fallbesprechung oder eine geeignete Beobachtung im Arbeitsalltag. Ein Kursabschluss allein belegt diesen Transfer nicht.
Typische technische Stolperstellen – und wie Sie sie eingrenzen
Die Seite funktioniert direkt, bleibt im Kurs aber leer
Prüfen Sie zuerst die Einbettungsregeln. Der Server des Web-Objekts kann über Content-Security-Policy: frame-ancestors festlegen, welche übergeordneten Seiten es einbetten dürfen; auch X-Frame-Options kann die Einbettung blockieren. Umgekehrt kann eine frame-src-Regel der umgebenden Seite die Quelle begrenzen. Bei verschachtelten LMS-Fenstern müssen die erlaubten Vorfahren zur tatsächlichen Auslieferung passen. Die Einstellung gehört in die zuständige Serverkonfiguration. Dokumentation: MDN zu frame-ancestors.
Eine pauschale CORS-Freigabe behebt solche Frame-Sperren nicht. Das Einbetten einer Seite und das Lesen ihrer Inhalte durch fremdes JavaScript sind unterschiedliche Vorgänge. CORS wird insbesondere relevant, wenn die Anwendung Daten über originübergreifende API-Aufrufe bezieht. Die Same-Origin-Regeln des Browsers begrenzen außerdem den direkten Zugriff zwischen Dokumenten verschiedener Herkunft.
Die Anmeldung funktioniert im separaten Browserfenster, im LMS jedoch nicht
Unternehmensanwendungen mit Anmeldung können im eingebetteten Kontext auf zusätzliche Hürden stoßen. Testen Sie den vollständigen Anmeldeweg mit normalen Lernendenkonten und den im Unternehmen verwendeten Browserrichtlinien. Für das erste Lernobjekt ist eine kleine, freigegebene Anwendung mit fiktiven Daten oft überschaubarer als die Einbettung eines produktiven Fachsystems. Vereinbaren Sie für nicht ladende Inhalte einen Ersatzweg, beispielsweise einen separaten Link mit derselben Aufgabe.
Die Anwendung ist bedienbar, aber nicht für alle zugänglich
Das Beispiel verwendet beschriftete Eingabefelder, echte Buttons, sichtbare Fokusmarkierungen und einen Statusbereich für Rückmeldungen. Damit ist eine Grundlage vorhanden, aber noch keine umfassende Barrierefreiheit nachgewiesen. Prüfen Sie die komplette Kette aus LMS, Captivate und Web-Objekt mit Tastatur und den vorgesehenen assistiven Technologien. Der Fokus muss die Anwendung erreichen und wieder verlassen können. Die Rechenergebnisse stehen zusätzlich als Text und Tabelle im Lernmaterial zur Verfügung.
Vor dem Rollout: ein überschaubarer Abnahmetest
Verantwortliche aus Fachbereich, Weiterbildung und IT sollten denselben kurzen Prüffall durchlaufen. Halten Sie Captivate-Build, Browser, LMS und Version des Web-Objekts fest. Ein Testprotokoll macht spätere Fehler nachvollziehbar und erleichtert die erneute Prüfung nach Änderungen.
- Fachlichkeit: Stimmen die Ergebnisse bei 0, 10, 15 und 30 Prozent? Werden leere oder unzulässige Eingaben abgefangen?
- Bedienung: Funktionieren Berechnen, Zurücksetzen, Tastaturbedienung und die Rückkehr zur Kursnavigation?
- Darstellung: Bleiben Aufgabe und Rückmeldung bei schmalem Fenster und vergrößerter Schrift lesbar?
- Zugriff: Lädt das Objekt aus dem tatsächlichen LMS heraus auch mit einem regulären Lernendenkonto?
- Nachweis: Werden die native Quizfrage, Bestehensgrenze und Abschlussmeldung wie vereinbart im LMS verbucht?
- Wiederaufnahme: Was geschieht nach Verlassen und erneutem Öffnen des Kurses? Ist der Neustart des Rechners für die Lernaufgabe akzeptabel?
- Ausfall: Können Lernende mit dem Ersatzmaterial weiterarbeiten, wenn die externe Anwendung nicht erreichbar ist?
Der mitgelieferte Rechner ist ein Ausgangspunkt für diese Abnahme. Die tatsächliche Einbettung muss in Ihrer Captivate- und LMS-Umgebung geprüft werden; ein erfolgreicher Test der HTML-Seite im Browser ersetzt das nicht.
Pflege organisieren: Ein Lernobjekt bleibt eine kleine Anwendung
Benennen Sie für jedes Objekt eine fachliche und eine technische Verantwortung. Der Fachbereich hält Berechnungen und Rückmeldungen aktuell; die technische Betreuung sichert Hosting, Zugriff und Fehlerbehebung. Das Autorenteam prüft, ob Aufgabenstellung und Prüfung noch zur jeweiligen Objektversion passen.
Für bewertungsrelevante Inhalte empfehlen sich feste Versionsadressen wie /v1/ und /v2/. Ändern sich Zahlen oder Regeln unter derselben Adresse, können ältere Kurse plötzlich eine neue Anwendung laden, während ihre Quizfragen noch auf dem alten Stand sind. Dokumentieren Sie deshalb, welcher Kurs welche Objektversion verwendet, und erhalten Sie benötigte ältere Fassungen.
Wirtschaftlich ist Wiederverwendung dann attraktiv, wenn sie Pflege vereinfacht: Ein freigegebenes Rechenmodell kann mehreren Lernangeboten dienen. Die Kostenbetrachtung sollte neben der Erstentwicklung auch fachliche Aktualisierung, Browser- und LMS-Tests, Hosting und Support enthalten. So wird aus einer interessanten Interaktion ein verlässlich betreibbarer Bestandteil der Weiterbildung.
Eigene Lernobjekte mit neomesh umsetzen
Sie möchten aus einer konkreten Geschäftsaufgabe ein interaktives Lernangebot entwickeln? Bringen Sie einen typischen Fall aus Vertrieb, Service, Einkauf oder Führung mit. Gemeinsam klären wir Lernziel, Zielgruppe, technische Voraussetzungen und den passenden Umfang für ein erstes Web-Objekt in Adobe Captivate.
Im Adobe-Captivate-Training bauen Sie die Kompetenz Ihres Autorenteams aus. Für eine individuelle Umsetzung besprechen wir, wie Lernkonzept, eigene Anwendung und LMS-Nachweis zusammenpassen.